März – Fastenzeit mitten im Leben
Der Monat März liegt in diesem Jahr vollständig in der Fastenzeit. Vierzig Tage, die uns einladen, innezuhalten, zu verzichten, neu zu beginnen.
Ich gebe es ehrlich zu: Ich habe mich mit dem Fasten noch nie leichtgetan. Schon als Kind fand ich es schwierig. An Karneval sammelte man mit leuchtenden Augen Süßigkeiten – und kaum war Aschermittwoch, hieß es: Jetzt darfst du nicht mehr. Das fühlte sich damals eher nach Verlust an als nach geistlichem Gewinn.
Vielleicht geht es manchen von Ihnen ähnlich.
Und doch spüre ich: Die Fastenzeit hat einen tiefen Sinn. Vielleicht geht es weniger darum, uns etwas zu nehmen. Vielleicht geht es darum, bewusster wahrzunehmen, was längst da ist.
Wir leben – bei allen Sorgen unserer Zeit – in einer großen Fülle. Wir haben Nahrung, sauberes Wasser, medizinische Versorgung, ein Dach über dem Kopf, Menschen an unserer Seite. Vieles erscheint selbstverständlich. Und genau da setzt die Fastenzeit an: Sie will unsere Wahrnehmung schärfen.
Verzicht kann helfen, dankbar zu werden.
Weniger kann den Blick öffnen für das Mehr, das uns geschenkt ist.
Und wer jetzt anfängt nachzuzählen, wird feststellen: Vom Aschermittwoch bis Ostern sind es mehr als vierzig Tage. Keine Sorge – die Kirche kann rechnen. Die Sonntage zählen nicht zur Fastenzeit. Jeder Sonntag ist ein kleines Osterfest. Ein Atemholen. Ein Vorgeschmack auf die Auferstehung.
Die Fastenzeit ist nicht grau, sondern klar. Sie ruft uns die Fülle unseres Lebens neu ins Bewusstsein. Sie lädt ein, dankbar zu leben – und aus dieser Dankbarkeit heraus großzügig zu werden: mit unserer Zeit, mit unserer Aufmerksamkeit, mit unserer Nächstenliebe.
Vielleicht ist das eine gute Übung für diesen März:
Nicht nur fragen „Worauf verzichte ich?“, sondern auch:
„Wofür bin ich dankbar?“
Ich wünsche uns allen eine gesegnete und hoffnungsvolle Fastenzeit.