Reisetagebuch

Heute endet leider unsere Reise und somit auch unser Reisetagebuch. Diese Pilgerfahrt war für uns alle ein sehr eindrucksvoller Ausflug in eine fremde Kultur, in das “incredible India” – wie es schon auf unserem Bus stand. Und das mit einer, wie John Paul sagte “incredible group”! Alle haben ständig auf andere geachtet, keiner blieb irgendwo allein, alle waren pünktlich und traten Probleme in irgendeiner Art auf, wurden sie möglichst mit Hilfe anderer gelöst. Wir haben zusammen gebetet und gesungen (oft auch im Kanon) und wurden dadurch fast zu einem eingespielten Chor. 

Wir haben durch John Paul und unsere Reiseführer viel über Indien gelernt. Zum Beispiel ist die Kuh nicht überall in Indien heilig. In manchen Bundesländern läuft sie deshalb nicht ständig quer durch den sowieso schon chaotischen Straßenverkehr und darf dort sogar verzehrt werden. 

In Indien wird auch versucht, den Alkoholkonsum einzuschränken, aber wir haben es trotzdem geschafft, an unsere Medizin RUM (regular used medicine) zu kommen und anstatt mit “Prost” mit “Rum Rum” anzustoßen. Bier und Wein kamen aber auch nicht zu kurz, ebenso wie mitgebrachter Ramazotti oder Bedburger Tröpfchen.

Nur nach dem Trinken trat natürlich stets das Toilettenproblem auf, besonders unterwegs und besonders für die Frauen. Für sie hieß es dann immer: Augen (und Nase) zu und durch! Es standen oft zwei Arten zur Auswahl: indische Stehtoiletten oder europäische Toiletten. Genau hinsehen war streng verboten. Wenn man Glück hatte, war sogar Papier vorhanden. Aber alle haben es überlebt.

Und so startete unser Rückreisetag um 5:30 Uhr mit Frühstück, 6:30 Uhr Abfahrt zum Flughafen und um 9:45 Uhr für vier Stunden in die Maschine nach Dubai. Dort zwei Stunden Aufenthalt und danach weitere 6,5 Stunden bis Düsseldorf.

Ich glaube, im Namen aller sagen zu können: Indien hat sich gelohnt!

Heute ist leider unser letzter Tag in Indien. Nach einer Geburtstagstorte und einem Ständchen für Winfried Ries beim Frühstück fuhren wir eine Stunde bis Kancheepuram, eine der sieben heiligen Städte Indiens. Wir gehörten zu den 15.000 Besuchern pro Tag und besichtigten einen der 82 noch vorhandenen Tempel (früher 1.000) in dieser Stadt, den Sri Ekambaranathar-Tempel von den Hindus.

Nach einer Toilettenpause mit Einkaufsmöglichkeit bei einer Tuchfabrik fuhren wir weitere anderthalb Stunden bis Mahabalipuram, einer Stadt am indischen Ozean mit nur 8.000 Einwohnern. Die Tempelanlagen hier gehören zum Weltkulturerbe. Als erstes ging es zu einem Strandtempel aus dem siebten Jahrhundert, der letzte von ehemals sieben. Die anderen wurden von Sturmfluten zerstört, dieser hat dank einer Schutzmauer sogar den Tsunami von 2004 überstanden. 

Anschießend fuhren wir zu den “Five Rathas”, auch eine Tempelanlage am Strand und auch so alt. Sie wurde in Form von mehreren Prozessionswagen aus einer einzigen Felsformation gehauen. Beide Tempel sind auch nicht mehr aktiv, daher brauchten wir hier auch nicht die Schuhe auszuziehen.

Aufgrund der heutigen Hitze haben wir dann unser eigentliches Programm abgekürzt und haben uns wunderschöne Fliesenreliefe nur vom Bus aus angesehen. Wir sind dann noch eine Stunde weitergefahren bis Chennai und haben ein klimatisiertes Shopping Center besucht, bevor wir gegen 18 Uhr unser letztes Hotel erreichten.

Nach dem Empfang beim Bischof dachten wir, wir hätten die Herzlichkeit der Inder kennen gelernt. Aber dann kam unser heutiger Einzug ins Heimatdorf von John-Paul! Vorher hatten wir noch ein kleines Kloster besichtigt, aber dann ging es los: Zuerst stand ein kleiner Fanfarenzug an der Schule, die von John Paul mit den Spenden aus Deutschland unterstützt wird, nebst seinen Schwägerinnen, die uns mit Musik und Blumenkränzen empfingen, bereit. Dann sahen wir etwa 250 Kinder mit den Nonnen, die sie unterrichten, die uns „Exoten“ mit strahlenden Augen und ständigem Winken begrüßten. Auch die anderen Familienangehörigen von John Paul, voran seine Mutter waren da.

Nach einer Begrüßungszeremonie bekamen unsere Frauen alle einen Sari angezogen, bevor John Paul mit allen eine indische Messe auf dem Schulhof feierte. Im Anschluss haben mehrere Kindergruppen uns Tänze vorgeführt und jedem von uns eine Stola umgehängt. Auch wir haben dann mit den Kindern getanzt, bevor wir von John Pauls Familie auf dem Schulgelände mit leckerem Essen verwöhnt wurden. Die Dorfkirche haben wir auch besucht und die Brüder luden uns noch ein, ihre Häuser zu besichtigen. Für das ganze Dorf war unser Besuch ein Highlight, denn es waren noch nie so viele Europäer auf einmal dort.

Wie wir dort aufgenommen wurden, war einfach wahnsinnig beeindruckend. Nicht nur wir haben unzählige Fotos und Videos aufgenommen, auch alle anderen haben ständig alles und vor allem uns fotografiert, immer und immer wieder. Ständig wurden Selfies mit uns gemacht. Nachdem wir uns von allen verabschiedet hatten, fuhren wir noch zu einer Besichtigung eines goldenen Hindu-Tempels.

Was für ein schöner Tag!

Nach der gestrigen tollen Überraschung beim Bischof von John Paul haben wir eine nicht so schöne Nacht in einem nicht so schönen Hotel verbracht (aber wir sind ja schließlich in Indien). Heute fuhren wir wieder vier Stunden mit dem Bus zurück nach Chennai, der viertgrößten Stadt in Indien. Das Programm in Chennai war eigentlich für gestern geplant, aber der Bischof musste leider das Treffen, das für heute geplant war, verschieben.

Nach einer Stadtrundfahrt mit Infos unseres Reiseführers besuchten wir die St. Thomas-Basilika, in der Reliquien des Apostels Thomas in einer Grabkammer unter der Kirche aufbewahrt werden. Dort haben unsere beiden Pastöre mit uns eine Messe gefeiert, direkt neben dem Reliquienschrein. Es gibt nur drei Kirchen auf der Welt, die auf einem Apostelgrab gebaut wurden: der Petersdom in Rom, die Grabeskirche in Santiago de Compostela und die Basilika hier in Chennai.

Anschließend fuhren wir zum St. Thomas-Berg. Hier soll er den Märtyrertod gestorben sein. Deshalb entstand hier ein Wallfahrtsort und zu unserer Überraschung hatte John Paul mit Hilfe von Bekannten hier ein Kaffeetrinken mit Plätzchen organisiert. Zum nächsten Hotel in Vellore (in der Nähe von John Pauls Heimatdorf) mussten wir dann noch einmal 4,5 Stunden fahren.

Die Stadt Cochin mit drei Millionen Einwohner ist die größte Stadt in Kerala und besteht aus 27 Inseln. Heute sind wir von hier nach Chennai (neun Millionen Einwohner) geflogen, in die Heimat von John Paul, der heute 40 Jahre alt geworden ist. Wir haben ein Lied für ihn umgedichtet und ihm mit einem Ständchen und einem Geschenk überrascht. Am Flughafen wurden wir mit Rosenkränzen aus echten Rosen empfangen. Von dort sind wir bei Temperaturen von über 30°C vier Stunden zum Bischof von John Paul in Nellore gefahren.

Dort stand eine riesige Fotomontage mit einem Gruppenbild von uns als Willkommensgruß an Kathedrale. Nach einer Suppe mit dem Bischof wurden wir von einem Fanfarenzug von Schulmädchen mit Musik zu einer Bühne begleitet, wo uns mehrere Tänze von verschiedenen Gruppen vorgeführt wurden. Anschließend wurden wir alle auf die Bühne geholt. Dort wurden uns allen von Schulkindern indische Stolen, Turbane und Blumenketten angezogen und wir wurden mit Blumen überstreut. Diesen herzlichen Empfang werden wir wohl nie vergessen. Anschließend wurden wir noch mit einem köstlichen Abendessen mit dem Bischof verwöhnt. Nachdem John Paul noch vom Bischof mit einer Geburtstagstorte und von uns mit mehreren Liedern geehrt wurde, endete dieser wundervolle Tag.

Unser Hotel ist zwar ganz neu, steckt aber noch sehr in den Kinderschuhen. Ständig treten Probleme aller Art auf. Aber davon lassen wir uns unsere gute Laune nicht verderben. Heute stand eine Hausboot-Tour auf dem Programm. Dafür fuhren wir 1,5 Stunden nach Alleppey, was unter dem Meeresspiegel liegt. Währenddessen hatte unser Reiseführer uns viel Interessantes über Südindien erzählt. Dort erwartete uns ein in landestypischer Weise gefertigtes Boot unserer Reisegesellschaft “Go with IPR”. Damit glitten wir 4,5 Stunden und 30 Kilometer weit fast geräuschlos durch Wasserstraßen in atemberaubender Natur begleitet von Reisfeldern, Kokospalmen, Kautschuk- und Cashewbäumen. Wir konnten mal richtig entspannen, uns in aller Ruhe unterhalten und Kraft tanken für die letzten fünf Tage in Indien. Dabei wurden wir mit Getränken und leckerem Buffet von der Crew verwöhnt.

Hier in Südindien sind die Temperaturen jetzt täglich bei etwa 30°C, im Norden waren es meist 20°C. Daher laufen hier im Hotel, Bus, etc. die Klimaanlagen und bei einigen von uns treten trotz Blasiussegen am Sonntag Erkältungsprobleme auf. Auf unserer heutigen Rundfahrt durch Cochin haben wir viele Besichtigungsstopps eingelegt:

  • St. Francis Church – erste europäische Kirche in Indien
  • Fischerboot mit chinesischem Fangnetz, das von mehreren Personen hochgezogen wird
  • Santa Cruz Basilika – 1558 vom Papst zur Kathedrale erhoben
  • Kolonialhäuser von Holländern, Engländern und Portugiesen
  • Gewürz-, Tee- und Stoffmanufaktur – wird von 600 Familien betrieben
  • Jüdische Synagoge von 1567 mit ca. 1.100 handgemalten chinesischen Bodefliesen
  • Spaziergang durch das jüdische Viertel
  • Dutch Palace von 1550 mit mythologischen Wandmalereien
  • National Shine Basilica of our Lady of Vallarpadam – Marienwallfahrtsort, das “Kevelaer” für die Christen vor Ort
  • St. Georges-Church – größte katholische Kirche in diesem Bundesland, Fertigstellung 2015

Auch heute haben wir wieder ein sehr gutes Frühstück bekommen. Bei allen bisherigen Buffets, ob morgens oder abends, gab es stets europäische und indische Speisen. Auch fast alle Hotelzimmer waren gut. Dort standen täglich vier 500 ml-Flaschen mit stillem Wasser für uns kostenlos bereit. Aber auch im Bus bekamen wir stets reichlich Wasserflaschen, ebenfalls Cola, Rum, Bier und Knabbereien zur “Grundversorgung”. Zum Shoppen brauchten wir hier nicht ins Geschäft zu gehen, denn kaum setzten wir irgendwo einen Fuß aus dem Bus, standen reichlich Souvenir-Verkäufer parat, die oft sehr aufdringlich waren.

Heute hieß es dann Abschied nehmen von Nordindien, aber auch von unserem Reiseführer, unserem Busfahrer und seinem Gehilfen, die uns super durch die erste Woche begleitet haben. Wir sind gegen 14 Uhr von Jaipur mit Zwischenstopp in Mumbai nach Cochin geflogen (insgesamt etwa 2.800 km) und dort mit Verspätung gegen 20 Uhr gelandet. 

Hier erwartete uns ein neuer Reiseführer mit Bus und brachte uns zum Hotel, wo wir erneut mit Blumenketten erwartet wurden.

Unsere Unternehmungen beginnen wir täglich im Bus mit Gebet und Gesang. Dadurch gestärkt starteten wir unsere Tour durch Jaipur mit einem Fotostopp bei einer schönen Fassade, dem Palast der Winde. Das nächste Ziel, Fort Amber, eine ähnliche Befestigungsanlage wie gestern, besichtigten wir mit sehr vielen Fotos der schönen Verzierungen. Bevor wir zum Stadtpalast fuhren, sahen wir in einer Teppichknüpferei die Entstehung eines handgeknüpften Teppichs. 

Der Stadtpalast, der Wohnsitz des Maharadjas von Jaipur, mit der Ausstellung von getragenen Hofkleidern aus mehreren Generationen war auch wunderschön anzusehen.

Ein Freiluftobservatorium von 1734 mit interessanten Informationen über Sonnenuhren und Horoskopen war das nächste Ziel von einem Teil von uns, während der andere Teil sich erneut mit Fahrradrikschas in den indischen Großstadtverkehr stürzten. 

Ein Highlight für alle war heute ein Ritt auf einem Elefanten, bevor wir noch eine Gewürz- und Teemanufaktur besuchten.

Den gestrigen Tag haben wir auf der wunderschönen Dachterrasse unseres Hotels in netter Runde ausklingen lassen. Nach dem Frühstück haben wir noch in Agra das Rote Fort besichtigt. Das war über mehrere Generationen Sitz und Hochburg des Mogul-Reiches. Es besteht aus rotem Sandstein und weißem Marmor mit unzähligen Verzierungen und wird von einer riesigen Mauer (21 Meter hoch und 2,4 km lang) eingefasst.

Anschließend fuhren wir fünf Stunden lang weiter zur 7 Millionen-Stadt Jaipur, wo wir gegen 16 Uhr im nächsten Hotel ankamen. Da heute Sonntag ist, haben Pastor Samala und Pastor Kröll in einer katholischen Kirche mit uns eine Messe gefeiert. Danach wurden wir mit vier Jeeps durch das nächtliche Jaipur gefahren, wobei wir toll beleuchtete Gebäude sehen konnten.

Auf dem Weg nach Agra sind wir vier Stunden über Autobahnen gefahren (im Vergleich zu den bisherigen Straßenverkehr sehr angenehm), während unser Reiseführer uns viel Interessantes über Indien erzählt hat. Dort kamen wir dann zu der Sehenswürdigkeit in Indien, dem Taj Mahal. Es ist ein Mausoleum, welches ein Kaiser im 17. Jahrhundert für seine Frau aus weißem Marmor hat bauen lassen. Es ist der teuerste Liebesbeweis aller Zeiten. Nach einem einstündigen Rundgang mit unendlich vielen Fotos wurden wir zum nächsten Hotel gebracht.

Danach haben wir noch eine Intarsienmanufaktur besichtigt. Dort konnten wir sehen, wie aus allerkleinsten geschliffenen Edelsteinen filigrane Einlegearbeiten in indischem Marmor wurden. Vor dem Abendessen wurde uns noch eine Theater-Tanz-Show in einer Bollywood-Inszenierung geboten, die uns zeigte, wie es zum Bau des Taj Mahal gekommen ist.

Heute sind wir zehn Kilometer von Varanasi (3,5 Mio. Einwohner, zwölf katholische Kirchen) nach Sarnath gefahren, wo Buddha seine erste Rede gehalten hat und von wo aus sich der Buddhismus ausgebreitet hat. Es ist das „Kevelaer“ für Buddhisten in Indien. Dort haben wir zwei kleine Tempel besichtigt, die von verschiedenen Ländern gespendet wurden. In Indien gibt es viele Religionen, worauf die Inder stolz sind und welche von allen respektiert werden. Auf dem Weg zum Flughafen haben wir eine Seidenweberei besichtigt. Dort konnten wir sehen, wie in sehr mühsamer Handarbeit Brokatstoffe für zum Beispiel Hochzeitssaris gefertigt werden. Wieder zurück in Delhi fuhren wir wieder zweieinhalb Stunden durch den wahnsinnigen Verkehr zu unserem dritten Hotel zum Abendessen, wie täglich in geselliger Runde.

Nachdem wir heute um 6:30 Uhr gefrühstückt hatten, fuhren wir mit der Metro zum Flughafen zum Abflug nach Varanasi. Dort haben wir nach der Ankunft im Hotel mit einem Teil der Gruppe einen “Bummel” durch die erschreckenden Straßen gemacht, wobei wir einige waghalsige Situationen erlebt haben.

Genauso erging es uns, als wir gegen Abend mit Fahrrad-Rikschas zum heiligen Fluss Ganges gebracht wurden, wohin täglich mehrere Tausend Hindis pilgern. Dort haben wir eine Bootstour gemacht und dabei hinduistische Gebetszeremonien, aber auch Leichenverbrennungen gesehen.

An unserem zweiten Tag in Indien haben wir Tempel von vier uns fremden Religionen besucht:

Jama-Masjid (Größte islamische Moschee in Indien)
Gurudwara Bangla Sahib (Größter Sikhismus-Tempel in Delhi)
Lotus-Tempel (Bahai-Religion)
Akshardam-Tempel (Hinduismus)

Dabei fuhren wir durch Delhis vollgestopfte Straßen (hier fahren bei 20 Millionen Einwohnern ca. 12 Millionen Autos, 100.000 Tuk-Tuks und unendlich viele Mopeds) und kamen dabei auch durch das pompöse Regierungsviertel und die sehr elendbehaftete Altstadt. Zum Abschluss sahen wir im vierten Tempel eine wunderschöne Wasser-, Licht- und Ton-Show.

Nach einer langen Anreise mit Zwischenstopp in Dubai kamen wir mit Gottes Segen gut in Indien an. Dort wurden wir von unserem Reiseführer mit Blumenketten empfangen. Bei der Busfahrt zum Qutp-Minar-Komplex, dem ältesten Zeugnis des Islam, konnten wir schon erste Eindrücke von diesem für uns alle fremden Land und seiner Kultur gewinnen, teilweise sehr erschreckende. Durch den sehr chaotischen Stadtverkehr in Delhi kamen wir dann nach 25 Stunden in unserem ersten Hotel an.